Ablauf des Jurastudiums

© Robert Kneschke - Fotolia.com

© Robert Kneschke – Fotolia.com

Wie genau läuft eigentlich das Jurastudium ab? Diese Frage stellen sich viele Abiturienten, wenn sie sich näher mit dem Jurastudium befassen. Auch wenn sich der konkrete Ablauf von Uni zu Uni unterscheidet, gibt es doch ein festes Grundgerüst, welches an allen deutschen Universitäten ähnlich ist.

Ablauf des Grundstudiums

Die ersten Semester werden als Grundstudium bezeichnet. In der Regel handelt es sich hierbei um die Semester, die bis zur Zwischenprüfung absolviert werden. Die konkrete Anzahl der Semester, die als Regelstudienzeit hierfür vorgesehen sind, variieren zwischen den einzelnen Universitäten. Häufig gliedert sich das Grundstudium jedoch in vier Semester.
Im Grundstudium werden die Grundlagen für das Studium der Rechtswissenschaft gelegt. Das bedeutet, dass in den einzelnen juristischen Disziplinen zunächst die grundlegenden Zusammenhänge erläutert werden. Das Rechtssystem wird an der Universität aufgeteilt in Strafrecht, Zivilrecht und öffentliches Recht. Aus dem Bereich des Zivilrechts werden im Grundstudium in der Regel der allgemeine Teil des Bürgerlichen Gesetzbuches sowie aus dem besonderen Teil die vertraglichen und gesetzlichen Schuldverhältnisse gelehrt. Teilweise werden auch das Sachenrecht sowie einzelne zivilrechtliche Nebengebiete wie Handels- und Gesellschaftsrecht oder Familien- und Erbrecht im Grundstudium gelehrt. Das Strafrecht beginnt mit dem allgemeinen Teil des Strafgesetzbuches. Hier werden Deliktsformen, Beteiligungsformen und die Kapitaldelikte durchgenommen. Häufig werden im Grundstudium auch die besonderen Delikte, wie zum Beispiel Vermögensdelikte, besprochen. Das öffentliche Recht besteht im Grundstudium regelmäßig aus Vorlesungen zum Staatsorganisationsrecht, den Grundrechten sowie zum allgemeinen Verwaltungs- und Verwaltungsprozessrechts. Über Klausuren und Hausarbeiten erwirbt man die kleinen Scheine.

Zwischenprüfung

Vom Ablauf her wird das Grundstudium regelmäßig mit der Zwischenprüfung abgeschlossen. Diese ist an den Universitäten sehr unterschiedlich geregelt. Während es Unis gibt, an denen das einfache Bestehen der kleinen Scheine zum automatischen Erwerb der Zwischenprüfung führt, gibt es andere Universitäten, an denen neben den kleinen Scheinen noch eine zusätzliche Zwischenprüfung geschrieben werden muss. Genaueres regeln die einzelnen Prüfungsordnungen.

Ablauf des Hauptstudium

Der Ablauf des Hauptstudium ist an fast allen Universitäten verschieden geregelt. Es gibt Universitäten, in denen im Hauptstudium lediglich die Vorlesungen des Grundstudiums vertieft werden, ohne dass neue Rechtsgebiete hinzukommen. Allerdings gibt es ebenso Modelle, in denen viele Vorlesungen, wie das Prozessrecht der einzelnen Rechtsgebiete oder zivilrechtliche Nebengebiete, erst im Hauptstudium gelesen werden. Die Klausuren und Hausarbeiten im Hauptstudium dienen zum Erwerb der großen Scheine.

Praktische Studienzeiten

Neben der Theorie, die an der Uni vermittelt wird und deren Anwendung durch Klausuren und Hausarbeiten unter Beweis gestellt werden soll, müssen Jurastudenten auch praktische Studienzeiten (z.B. als Praktikum beim Finanzamt) ableisten. Die Dauer sowie die konkreten Voraussetzungen hierfür unterscheiden sich je nach Bundesland und Universität. An den meisten Unis müssen jedoch drei praktische Studienzeiten absolviert werden. Häufig soll ein Praktikum bei einer Rechtsanwaltskanzlei abgeleistet werden, während das zweite und dritte Praktikum bei der öffentlichen Verwaltung und einem Gericht absolviert werden soll.

Zusätzliche Leistungen

Während des Studiums können zusätzliche Leistungen erbracht werden. So besteht die Möglichkeit, ein Auslandssemester in den Ablauf des Jurastudiums zu integrieren. Hierbei sollte jedoch zuvor geklärt werden, ob die im Ausland erbrachten Leistungen an der Heimatuniversität angerechnet werden. Darüber hinaus bieten einige Universitäten fachspezifische Fremdsprachenkurse an. Ferner besteht die Möglichkeit, im Rahmen eines Moot Courts anhand eines fiktiven Falles Schriftsätze auszuarbeiten und gegen andere Teams anzutreten.

Staatsexamen

Am Ende des Jurastudiums steht das 1. Staatsexamen. Auf dieses bereiten sich Jurastudenten häufig etwa ein Jahr lang vor. Dazu besuchen die meisten ein privates Repetitorium, in dem der Examensstoff aufbereitet und wiederholt wird. Das Staatsexamen ist in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich geregelt, besteht jedoch immer aus einem schriftlichen Teil, in dem in allen drei Rechtsgebieten Klausuren geschrieben werden müssen sowie einer mündlichen Prüfung. Diese besteht in der Regel aus einem Rechtsgespräch, welches teilweise um einen Vortrag ergänzt wird.

Tipps zur Planung des Studiums

Um am Ende des Studiums nicht vor der unendlichen Menge an Stoff zu kapitulieren, bietet es sich an, bereits ab dem ersten Semester kontinuierlich zu lernen und die Definitionen und einzelnen Probleme in allen Rechtsgebieten zu wiederholen. Die Semesterferien sollten von Beginn an für die praktischen Studienzeiten und die Hausarbeiten genutzt werden. Gerade aufgrund der harten Korrekturen und der hohen Durchfallquote ist es unerlässlich, gut vorbereitet in das Examen zu gehen.